In den letzten knapp 50 Jahren konzentrierte sich der Anbau von Hanf in Westeuropa auf die Länder Frankreich, Spanien und Italien. Die Franzosen bauen Hanf hauptsächlich zur Herstellung von Spezialpapier (Zigarettenpapier, Papiergeld) und Dämmstoffen an. In Deutschland wurde nach der Wiederzulassung des Hanfanbaus (1996) zunächst auf eine textile Wertschöpfungskette gesetzt. Der Hanfanbau wurde in Deutschland im Jahre 1982 nach der Neuregelung des Betäubungsmittelgesetzes untersagt. 1996 begannen wieder erstmalig 560 Landwirte auf einer Fläche von 1.400 Hektar wieder mit dem Anbau von Hanf. Ein Jahr später wurde die Anbaufläche auf 2.800 Hektar verdoppelt. Zum Vergleich: Im Moment wird auf einer Anbaufläche von rund 100.000 Hektar Mais angebaut.
Eines der aktivsten Unternehmen im Bereich Faserhanf ist die niederländische Firma Hempflax. Diese arbeitet seit 1992 an umfangreichen Verwertungskonzepten für die Hanfpflanze. Die Hanffaser ist sehr interessant für den Einsatz in Faserverbundwerkstoffen, Geotextilien und Textilien. Bei der Fasergewinnung fallen als Sekundärrohstoff die so genannten Hanfschäben an. Dies sind die holzigen Bestandteile des Pflanzenstängels. Diese Holzsplitter müssen bei Faseraufschluss von der Faser „gesprengt“ werden. Die Schäben lassen sich als Tiereinstreu verwerten aber auch zu Dämmstoffen (z.B. als Schüttdämmung) veredeln. Bei den Faserverbundwerkstoffen konkurrieren Pflanzenfasern mit der Glasfaser. Der strategische Wettbewerbsvorteil von Hanffasern ist, dass diese nicht brechen und so z.B. bei Unfällen nicht zum Risiko werden, weil keine scharfen Abbruchkanten verbleiben. Zudem sind Pflanzenfasern leichter und können kompostiert werden.
Neben den Fasern liefert die Hanfpflanze auch noch Samen, aus denen ein wertvolles Pflanzenöl, welches reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist. Die Blüte des Hanfs kann zu Medikamenten weiter verarbeitet werden.
Kategorie: Ökologie & Gesundes Leben.